Ortho
Update
Vor Ort
Online

Datum
Dienstag, 29. September 2026
Uhrzeit
08:00 – 08:45 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Die Teilnehmenden differenzieren Indikationen und Ebenen chirurgischer Absetzungen.
Die Teilnehmenden beurteilen perioperative Risiken und Komplikationsprophylaxe.
Die Teilnehmenden planen Rehabilitation und funktionelle Versorgung postoperativ.
Anbieter
Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf ortho-update.medignition.com. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Cynthia Ruedin,
Assistenzärztin, Kantonsspital Winterthur
Minor bedeutet nicht bessere Funktion
Die Studie zeigt zwischen Minor- und transtibialen Major-Amputationen keine signifikanten Unterschiede in Lebensqualität, Mobilität, funktionellem Mobilitätsniveau oder Phantomschmerzen. Die Amputationshöhe erlaubt daher keinen direkten Rückschluss auf das funktionelle Outcome.
Belastbarkeit ist klinisch entscheidend
Für das funktionelle Ergebnis ist nicht primär der Extremitätenerhalt entscheidend, sondern eine funktionelle, gut belastbare Extremität. Ein erhaltener, jedoch nicht oder nur eingeschränkt belastbarer Restfuss kann funktionell ungünstiger sein als eine gut durchgeführte transtibiale Amputation.
Frühe transtibiale Amputation mitdenken
Bei fehlender realistischer Aussicht auf funktionellen Extremitätenerhalt sollte frühzeitig eine transtibiale Amputation erwogen werden. In der Major-Gruppe hatten 74 % zuvor eine bis fünf distale Amputationen, was wiederholte Extremitätenerhaltungsversuche infrage stellt.
In der Fortbildung «Major and minor amputation», organisiert durch das Kantonsspital Winterthur und gehalten von Cynthia Ruedin, wird eine im European Journal of Trauma and Emergency Surgery 2025 publizierte Studie zur irreführenden Terminologie der «minor amputation» der unteren Extremität vorgestellt. Die Referentin erläutert, dass «minor» Amputationen unterhalb des Sprunggelenks und «major» Amputationen oberhalb des Sprunggelenks bezeichnen, wobei in der Studie nur transmetatarsale Amputationen mit transtibialen Amputationen verglichen werden. Es handelt sich um eine monozentrische retrospektive Vergleichsstudie aus Frankfurt mit Patientinnen und Patienten von 2012 bis 2022, in der nach zahlreichen Ausschlüssen letztlich 80 Amputationen analysiert werden. Das funktionelle Outcome wird anhand des SF-12, des PLUS-M-12, des K-Levels sowie weiterer Parameter wie prothetisch-orthotischer Versorgung, Phantomschmerzen und Einschränkungen im Alltag beurteilt. Die zentralen Ergebnisse zeigen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich gesundheitsbezogener Lebensqualität, Mobilität, funktionellem Mobilitätsniveau und Phantomschmerzen. Besonders hervorgehoben wird, dass der Begriff «minor» fälschlicherweise eine geringere funktionelle Beeinträchtigung suggerieren kann und dass ein erhaltener, aber funktionell schlecht belastbarer Restfuss ungünstiger sein kann als eine gut durchgeführte transtibiale Amputation. Als klinische Konsequenz wird betont, dass bei fehlender realistischer Aussicht auf funktionellen Extremitätenerhalt frühzeitig auch an eine transtibiale Amputation gedacht werden sollte, wobei die Aussagekraft der Studie durch das retrospektive monozentrische Design, kleine und ungleich grosse Gruppen, ein hohes Loss to follow-up und heterogene Ätiologien eingeschränkt ist.